• Unser Pfarrer: Andrea Kasper
    • Besser Käse als Chabis

Aus dem Gemeindebrief von Andrea Kasper vom 17. 5. 20

 Liebe Mitglieder und Freunde des EGW Belp

Wann habt Ihr zuletzt den Propheten Habakuk gelesen? In einer Sache sehe ich eine Parallele zu heute: In den vielen unerhörten Gebeten.

Schon so lange, HERR, rufe ich zu Dir um Hilfe und Du hörst mich nicht! … und Du greifst nicht ein! Habakuk 1,2

Die Situation war anders. Es herrschte keine Seuche, es sei denn, man bezeichnet die Babylonier als solche. Es war damals auch fast ein weltweites Übel. Für viele war es unglaublich, wie sehr ihr Leben verändert worden war. Und dann tritt da dieser Habakuk auf und verkündigt den Juden die ungeheuerliche Botschaft, dass Gott eine solche Plage, ein solch sündiges Volk wie die Babylonier benutzen würde, um Israel etwas zu lehren! Zeitlich könnte sich das um 605 v. C. zugetragen haben, kurz vor der Schlacht von Karkemisch, in der die Babylonier die Ägypter besiegten und zur Grossmacht wurden. Und Habakuk macht, was auch wir machen können:

Ich sagte: «Jetzt will ich meinen Wachposten einnehmen und auf den Schutzwall steigen, um zu sehen, was der HERR mir sagen wird. Ich warte begierig, was er auf meine Fragen und Anklagen antworten wird.» Habakuk 2,1

Damit meine ich nicht, dass wir auf einen Wall, eine Stadtmauer oder einen Turm steigen müssen – laut Jesus kann man überall beten und der Vater sucht vor allem Anbeter, denen die Wahrheit und der Heilige Geist wichtig sind, nicht bestimmte Gebetsplätze. Aber das Prinzip hinter dem Aufsuchen eines bestimmten Ortes und dort fortlaufend zu beten, ist etwas, was uns allen guttun würde und wer weiss auch Gott bewegen könnte, uns mehr Antworten zu geben.

Welche Fragen und Vorwürfe hatte Habakuk? Er war ratlos. Warum erlaubte Gott, dass das Übel ungestraft zunimmt? Und warum schickt ein guter Gott so etwas Ungutes? Es lief schon so vieles falsch im Land: die Gottesfurcht war dahin, Ungerechtigkeiten und Kriminalität griffen um sich, und jetzt, nach allen Gebeten, wurde es noch schlimmer! Wie könnte ich Gott beeinflussen und seinen Zorn gegen sein ungehorsames Volk besänftigen? Muss den alles den Bach runter und was kommt noch alles? «Herr, bist Du nicht unser Gott von jeher, ein heiliger Gott? ... aber ich weiss schon, Du kannst Böses nicht dulden.»

Und eine der Zusagen, die Gott ihm machte, und die wir uns von ihm auch für heute erbitten können, ist:

Wie das Meer voll Wasser ist, so wird die ganze Erde erfüllt werden von der Erkenntnis der Herrlichkeit des Herrn. Habakuk 2,14 GNB

Ich glaube, dass es noch immer so ist, dass andere Götter nicht die wahre Lösung für unsere Probleme bringen, seien sie in weiss gekleidet oder im Anzug, im T-Shirt an einem Computer oder gestylt auf der Bühne, so wie auch die damaligen Götter aus Holz, Stein und Gold wie in Habakuk 2,18-19 beschrieben, nutzlos waren, auch wenn die heutigen besser funktionieren und multimedial global vernetzt sind.

Ich bete: «Herr, komm von woher Du willst (Habakuk 3,3). Lass uns sehen, wie Deine Majestät den Himmel an Helligkeit übertrifft. Erfülle die Erde mit Deinem Licht und Glanz. Rings um Dich leuchtet es wie Sonnenlicht, nach allen Seiten strahlt es von dir aus – darin versteckt ist Deine grosse Macht!»

Aber auch folgendes kann manchmal vorkommen, erkannte der Prophet Habakuk:

Die Pest geht vor ihm (dem Herrn) her und hinter ihm folgt die Seuche. Er tritt auf und erschüttert die Erde, er blickt hin und lässt Nationen erzittern, es zerbersten die ewigen Berge, es senken sich die ewigen Hügel, seit jeher geht das so, wenn er’s drauf anlegt. Habakuk 3,4-6

Noch gibt es keine Feigen oder Trauben, keine Oliven zu ernten, noch wächst kein Korn auf unseren Feldern und die Schafzäune und Viehställe sind leer, sagt Habakuk. Das heisst, der Wohlstand ist noch nicht wieder da. Die babylonische Pandemie hatte schreckliche Folgen für die Wirtschaft der überrollten Länder.

Und doch kann ich jubeln, weil der HERR mir hilft; was er zugesagt hat, erfüllt mich mit Freude. Der HERR, der mächtige Gott, gibt mir Kraft! Er macht mich leichtfüssig wie die Gazelle und lässt mich sicher über die Berge (von Problemen) schreiten. Habakuk 3,18-19

Ein Lobpreislied noch bevor es dem Land wieder gut geht? Ein Lied des Vertrauens noch bevor wir wissen, was noch persönlich auf uns zukommt? Die Babylonier waren eine schlimme Seuche, ohne ihr Wissen sogar eine Erziehungsmassnahme Gottes! Aber Habakuk liess sich die Freude im Herrn nicht nehmen und jubelte. Und wir können es ihm gleichtun, oder nicht?! Bhüät Eu Gott! Andrea